Der Radspielplatz - Spielerische Schritte zur nachhaltigen Mobilität - mit Spaß!

Konzept für betreute Radspielplätze in Wien und ganz Österreich

Konzeptskizze für einen “Radspielplatz Wien” von Alec Hager, November 2017. Inspiriert von den “Cykellegebanen” in Kopenhagen. Erstellt zur Einreichung beim Ideenwettbewerb „Kinder, Kinder! Neue Design-Ideen zum Stadtleben aus Kindersicht“ der Wirtschaftsagentur Wien und zur Beschleunigung der Umsetzungsbemühungen in Wien. Konzeptentwicklung 2012-2017: Alec Hager & Eliza Brunmayr (Verein IG Fahrrad - Die Radvokaten)

Zweifaches Gewinnerprojekt bei Ideenwettbewerb

Am 15. März 2018 fand die Preisverleihung des Ideenwettbewerbs "Kinder, Kinder!" statt. Die Projektidee des Radspielplatzes wurde zweimal prämiert: es bekam den 2. Juryplatz und den Publikumspreis verliehen, hatte also die meisten Stimmen im Online Voting erreichen können. Dafür herzlichen Dank an die radbegeisterte Community in Wien und die vielen Eltern und Kinder, die dafür abgestimmt haben. Auch die Bestätigung durch die Fachjury macht uns sehr stolz und motiviert noch mehr, die Umsetzung voranzutreiben. Diesbezüglich gibt es positive Perspektiven: In der Seestadt Aspern wird im Zuge der Parkgestaltung die Umsetzung eines Radspielplatzes bereits geplant, die Fertigstellung ist für Frühjahr 2021 angesetzt.

Preisträger bei VCÖ-Mobilitätspreis Österreich 2018

Das Radspielplatz-Konzept hat im September 2018 den renommierten VCÖ-Mobilitätspreis 2018 Österreich in der Kategorie Ideen und Pilotprojekte gewonnen und damit noch eine weitere wichtige Bestätigung bekommen, dass die Förderung aktiver Mobilität im Kindesalter ein Gebot der Stunde ist: „Gerade für Kinder ist Bewegung enorm wichtig. Wenn wieder mehr Kinder Radfahren, ist das positiv für Gesundheit und Umwelt, sowie für die heutige und zukünftige Mobilitätsentwicklung in Gemeinden und Städten“, betonte VCÖ-Geschäftsführer Willi Nowak.

Idee und Bedarf

Selbstständige Mobilität, Fahrradbeherrschung und körperliche Bewegung von Kindern nehmen in Österreich ständig ab, vor allem in Stadtgebieten. Dieser bedauerliche Trend hat negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und Gesundheit, da eine frühe aktive Verkehrsteilnahme für das spätere, sichere Verhalten im Straßenverkehr besonders wichtig ist.

Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die mit dem Rad in österreichische Bildungseinrichtungen fahren, ist auffallend niedrig: 4% fahren mit dem Rad in den Kindergarten, 2% in die Volksschule, immerhin 9% in Bildungseinrichtungen der Unterstufe, jedoch nur 2% in Oberstufen-Schulen. Diese Zahlen des Umweltministeriums (BMLFUW) verdeutlicht den Handlungsbedarf. Wenn das Fahrrad in der Kindheit nie als taugliches Alltagsverkehrsmittel wahrgenommen wird, hat die dekarbonisierte Zukunftsvision eines klimaschonenden Verkehrs keine Chance – ihr fehlen dann schlichtweg die ProtagonistInnen.

Auch bei den seit 2012 in Wien stattfindenden KinderRadSpaß-Kursen der Radlobby IGF im Auftrag der Mobilitätsagentur der Stadt Wien sind regelmäßig Kinder im Alter von 9-10 Jahren zu betreuen, die das Radfahren nicht einmal ansatzweise beherrschen und im Kurs von Anfang an erlernen müssen. Die allermeisten Kinder zeigen großen Verbesserungsbedarf bei der Fahrradbeherrschung. Ihnen fehlen sichere Orte zum Erlernen und Üben des Radfahrens sowie kompetente und engagierte Betreuung dabei. Das möchte der Radspielplatz Wien nach dänischem Vorbild bieten!

Betreuung und Bewegungsfreiheit

Ein betreuter Radspielplatz ermöglicht Kindern in städtischen Ballungszentren diesen ersten sicheren und begeisternden Zugang zum Radfahren. Er fördert das kindliche Entdecken intuitiver Bewegungskompetenz, Koordination und Balance. Dadurch wird Freude am Radfahren gefördert und die Basis für die spätere sichere Verkehrsteilnahme gelegt. Der Radspielplatz bietet zum einen den nötigen sicheren Platz zum freien Üben und Radeln von Kindern, die bereits Radfahren können und Zugang zu einem Fahrrad haben. Zum anderen bietet er Kindern, die weder Platz noch Fahrrad besitzen und auch keine Erwachsenen in ihrem Umfeld haben, die ihnen Radfahren beibringen können oder wollen, Betreuung durch geschulte TranierInnen und Leihräder sowie Leihhelme.

Das Konzept zielt auf den Erwerb grundlegender Radfahrfähigkeiten (Balance und Beherrschung) ab und zeichnet sich durch einen spielerischen Zugang aus. Er unterscheidet sich von einem Verkehrsgarten, welcher den Straßenverkehr in Miniaturform nachstellt und nur zur Vermittlung der Straßenverkehrsregeln und dem richtigen Verhalten im Verkehr dient. Ein Radspielplatz sollte hürdenfreien Zugang für bewegungshungrige Kinder, begleitetes Lernen für AnfängerInnen und Leihräder für alle Kinder bieten. Durch eine modulare Gestaltung soll aber auch eine gezielte Vorbereitung für die Freiwillige Radfahrprüfung und Erlernen der Verkehrsregeln möglich sein. Der Radspielplatz kann darüber hinaus auch Ausgangspunkt für gemeinsames Erlernen der Verkehrsrealität in beruhigten Bereichen sein.

Geschulte Begleitung mit gutem Material

Der Radspielplatz kann z.B. durch geschultes, ambitioniertes Personal der Radlobby IGF betreut werden, das sowohl langjährige Erfahrung mit dem Kursprogramm „KinderRadSpaß“ hat als auch nach dem Curriculum für RadtrainerInnen des BMLFUW ausgebildet ist. Seit 5 Jahren wurden über 7.000 Kinder von unserem Personal mit den begeisternden Seiten des Radfahrens spielerisch bekannt gemacht.

Mit dieser pädagogischen Betreuung wird Radfahrsicherheit trainiert: Gleichgewicht zu halten, sicher loszufahren und anzuhalten, Geschwindigkeiten zu variieren, sich umzuschauen, einhändig zu fahren, andere wahr- und auf andere Rücksicht zu nehmen. Kinder, die ihr Fahrrad motorisch gut beherrschen, kommen im Verkehrsalltag besser zurecht. Sie sind selbstbewusster unterwegs und können ihre volle Aufmerksamkeit auf das Verkehrsgeschehen richten.

Da Betreuung nur zu bestimmten passenden Zeiten angeboten werden kann – also z.B. an Schultagen am Nachmittag, am Wochenende ganztags und auf Anfrage für Bildungseinrichtungen auch vormittags – soll der Radspielplatz auch abseits der Betreuungszeiten selbständig mit dem eigenen Fahrrad benutzbar sein und dafür u.a. auch gut beleuchtet werden und die nötigen Freiflächen bieten.

Gestaltung

Der Radspielplatz sollte vielseitige Herausforderungen auf unterschiedlichen Untergründen bieten und ansprechend gestaltet sein. Er sollte ein Platz für alle adressierten Altersgruppen sein und sowohl fixe Hindernisse als auch eine für Fahrradspiele und Vorbereitung auf die Freiwillige Radfahrprüfung flexibel nutzbare Fläche beinhalten.

Der Radspielplatz richtet sich vor allem an Kinder von 2-12 Jahren in Einrichtungen wie Kindergruppen, Kindergärten, Schulen und Kinder in ihrer Freizeit, u.a. begleitet von Aufsichtspersonen. Zusätzlich sollte im Rahmen von Radfahrkursen eine Nutzung durch ältere Kinder und Erwachsene möglich sein.

Die Auswahl der passenden Fläche sowie die Gestaltung des Radspielplatzes sollten in Kooperation mit einer LandschaftsarchitektIn und einer erfahrenen RadtrainerIn erfolgen. Die Gestaltung der Spielplatzelemente sollte als entwicklungsfähige Blaupause für weitere derartige Einrichtungen in Wien in Austausch mit internationalen Vorbildern, SpielplatzgestalterInnen und –herstellern sowie ExpertInnen aus dem Kinderradbereich erarbeitet werden. In unserem Konzept verwenden wir das Vorbild der “Cykellegebanen” in Kopenhagen. Wir sind schon länger in Kontakt mit den dänischen Vorbildern und haben Informationen zur baulichen Gestaltung und den Kostenrahmen eingeholt. Natürlich ist ein dänisches Konzept nicht 1:1 nach Wien transferierbar - deswegen haben wir es bereits in der Entwurfsphase an Wiener Besonderheiten angepasst!

Konzept und Betreiber

Die vorliegende Idee des Radspielplatzes wurde von Alec Hager bereits 2013 nach Wien gebracht und seitdem vielen EntscheidungsträgerInnen vorgelegt. Die erste emotionale Reaktion war stets eine der Zustimmung und Begeisterung, nun wird es Zeit für die Umsetzung. Alec Hager ist in Radverkehrsfachkreisen als Veranstalter der Kampagne „Österreich radelt zur Arbeit“, ehemaliger Sprecher der „Radlobby Österreich“ und Koordinator der Plattform „Radkompetenz Österreich“ bekannt. Er ist Vater einer mittlerweile erwachsenen Rad fahrenden Tochter und hat seit 2010 die Kurskonzepte von „KinderRadSpaß“ und „FahrSicherRad“ entwickelt, unterstützt von Eliza Brunmayr und Sonja Debenjak und vielen begeisterten TrainerInnen: www.fahrsicherrad.at 

Konkrete Anfragen zum Aufwand für die Entwicklung und Umsetzung eines ersten betreuten Radspielplatzes ebenso wie Unterstützungsbekundungen bitte an info(at)fahrsicherrad.at richten.

Danke und gute Fahrt!

Video zum Ideenwettbewerb-Gewinn

Dieses Video-Kurzportrait wurde von der Wirtschaftsagentur Wien anlässlich der Preisverleihung produziert. English version here: Youtube.

KinderRadSpaß - das Kursprogramm

Seit 5 Jahren in Wien vom Radlobby-Verein "IG Fahrrad - Die Radvokaten" für Schulklassen durchgeführt, finanziert von der Mobilitätsagentur Wien. Hier unser Jubiläumsfilm:

Das dänische Vorbild

Im Jahr 2012 wurde der erste mobile Radspielplatz in Dänemark etabliert, seither wurden 10 fixe Standorte umgesetzt. Hier ein Video des Prototypen:

Medienschau

Der erste Bericht zur Preisverleihung des Ideenwettbewerbes "Kinder!Kinder!" in der Wiener Zeitung HIER

Der TV-Beitrag von ATV HIER

Teilnahmen am Wiener Forschungsfest 2018 und Poster Presenter bei der Child in the City World Conference